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Bericht Berliner Morgenpost

Beatles-Stammtische aus ganz Deutschland haben sich in der Schulturnhalle des Lennon-Gymnasiums in Mitte getroffen

Von Patrick Goldstein
10.10.2016, 06:00Lutz Forstbauer spielt mit seiner Coverband „Frankie goes to Liverpool“ beim Beatles-Stammtischtreffen in der Turnhalle
 Lutz Forstbauer spielt mit seiner Coverband „Frankie goes to Liverpool“ beim Beatles-Stammtischtreffen in der Turnhalle
Lutz Forstbauer spielt mit seiner Coverband „Frankie goes to Liverpool“ beim Beatles-Stammtischtreffen in der Turnhalle

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 Foto: Massimo Rodari

Lutz Forstbauer spielt mit seiner Coverband „Frankie goes to Liverpool“ beim Beatles-Stammtischtreffen in der Turnhalle 

Die Gruppe aus Bochum ist schon einige Tage vorher angereist. Kölner sind mit den Flensburgern um die Häuser gezogen. Festival of Lights, Brandenburger Tor, ein Abendessen beim Libanesen. Zwischendurch: Anruf daheim, wie es Kindern oder den Enkeln geht. An ihrem letzten Abend haben sie sich dann in einer Schulturnhalle in Mitte zum eigentlichen Anlass ihres Berlin-Besuchs versammelt: dem sechsten Treffen der deutschen Beatles-Stammtische. Es herrscht eine Stimmung wie vor Livekonzerten.

 

Unter Basketballkörben und rund um ein Dutzend Biertische haben die Gastgeber den Raum festlich geschmückt. Wimpelketten sind gespannt, die Wände mit raren Fotografien und Postern aus alten Bravo-Ausgaben dekoriert, für die man bei Ebay mehrere Tausend Euro bekäme. Carmen, die Frau des 67-jährigen Lutz, der hier später mit seiner Coverband "Frankie goes to Liverpool" auftreten wird, hat zwei Beatles-Wandteppiche aufgehängt, die ihr Freunde aus Kalifornien geschickt hatten. Durch die Gänge hasten Schüler, die die gut 80 Gäste bedienen, dazwischen füllen Köche, sonst für das Schulessen zuständig, Kartoffelsuppe nach.

Der Schuldirektor hat schon mit Yoko Ono getanzt

Hausherr ist Jochen Pfeifer, Direktor des John-Lennon-Gymnasiums. An der Persönlichkeit des Namensgebers lasse sich den Schülern auch viel von Politik, Zeitgeschichte und Kunst vermitteln, sagt der 62-Jährige. Das Treffen deutscher Beatles-Experten passt in die Reihe außergewöhnlicher Besuche an seiner Schule: Die Pop-Sänger Ed Sheeran und Adel Tawil waren da, 2013 kam sogar John Lennons Witwe Yoko Ono, um sich einen Liveauftritt anzuschauen. Direktor Pfeifers Erinnerungen? "Ich habe in der Turnhalle mit ihr getanzt."

Dass der gesamtdeutsche Stammtisch nun bei ihm stattfindet, ist nicht verwunderlich. Die Mitglieder der Berliner Abteilung kommen oft zu Beatles-Ereignissen des Gymnasiums, schauen sich am Montag etwa dessen Filmfest im Kino Babylon an und sind dem Förderverein beigetreten, obwohl die meisten vor gut einem halben Jahrhundert zuletzt ein Klassenzimmer von innen gesehen haben.

Sie umrankt das Flair einer Geheimloge. Nur an jedem zweiten Freitag im ungeraden Monat setzen sie sich zusammen. Ihr Treffpunkt in Prenzlauer Berg ist keine gängige Musikkneipe oder Szenebar, sondern das "Vereinsheim Bauernstube" in der labyrinthischen Kleingartenkolonie "Bornholm I".

Einer von ihnen ist Jürgen Lauer. Wer zu seinem Jahrgang, 1949, zählt, konnte die Beatles noch leibhaftig erleben. Und tatsächlich: "In meinem Arbeitszimmer hängt die Eintrittskarte an der Wand: Essen, Grugahalle, 25. Juni 1966." Das Ticket kaufte er in einem Schreibwarengeschäft im nordrhein-westfälischen Remscheid. Preis für das Konzert seines Lebens: 20 D-Mark.

Lauer liebte nicht nur die Musik. Wie ein Jünger machte er sich nach seinem Umzug nach Berlin 1969 auch daran, die frohe Botschaft der vier Pop-Propheten aus Liverpool in den Osten Deutschlands zu tragen. "In einem Lokal in Ost-Berlin lernte ich einen Discjockey kennen, einen Schallplattenunterhalter, wie man dort sagte. Der brauchte natürlich ständig Nachschub", sagt Lauer. "Also kaufte ich auf dem Flohmarkt am 17. Juni gebrauchte Beatles-Platten und schmuggelte sie unter der Gummimatte im Kofferraum meines VW Käfer nach Ost-Berlin."

Dabei bewies der gebürtige Rheinländer ein dickes Fell: Auch nachdem ihn die Grenzpolizisten mit der "jugendschädlichen Ware" erwischten – "man wurde ausgeschimpft, aber weiter passierte nichts" – machte er unverdrossen weiter. Diesmal aber versteckte er die Schallplatten in der Türverkleidung. Seinem Freund in Ost-Berlin jedenfalls bekam die Versorgung mit Beatles-Musik gut. Er wurde nach der Wende Radiomoderator.

Zu Beatles-Songs werden Anekdoten erzählt

In der Turnhalle spielen inzwischen Lutz und seine Band. Es wird getanzt oder an den Tischen gefachsimpelt. Der 66-jährige Organisator des Abends, Hubert Morgenbrodt aus Mitte, sagt: "Schauen Sie sich um. Nur zehn Jahre gab es die Beatles. Und gut ein halbes Jahrhundert bringen sie immer noch die Menschen zusammen." Gabi (54), beschäftigt in der Kölner Stadtverwaltung, resümiert ihre regelmäßige Teilnahme beim alljährlichen internationalen Beatles-Treffen in Liverpool. "Wo immer ich in der Welt bin, könnte ich jederzeit Beatlesfans treffen, die ich von dort kenne." Morgenbrodt, ehemals General Manager bei einem Paketdienst, schwärmt von jener legendären Coverband aus den USA, deren Auftritte noch ein wenig unvergesslicher sind, seitdem sich die vier Musiker mithilfe plastischer Chirurgie zu Beatles-Doppelgängern umoperieren ließen. Und dann muss die Flensburgerin Anke noch mal erzählen, wie sie 1986 mit 20 Jahren in der Sendung "Alles oder nichts" beim Beatles-Quiz fast 10.000 Mark gewann. "Ich wusste die Antwort. Aber Max Schautzer meinte, mein Gegner sei schneller gewesen. Angeblich."

Für 25 Euro Eintritt wird den Gästen einiges geboten. Jean Pierre hat ein Preisausschreiben vorbereitet, ein Balalaika-Spieler trägt Beatles-Songs vor, und nach Mitternacht, wenn John Lennons 76. Geburtstag anbricht, will man "Happy Birthday" anstimmen. Aber zunächst treten die Jungen und Mädchen von Chor und Schulband in die Turnhalle. Aus einem feinen Summen der Mädchen wird eine vertraute Tonfolge, Harmoniegesang gibt dem Ganzen Volumen, und schüchtern erst, dann immer selbstbewusster singen sie "Imagine", das Lied über eine bessere Welt, komponiert von dem Beatle, der mit 40 Jahren erschossen wurde. Am fidelen Bochumer Tisch, wo man eben noch mit lauten Klappern den Kasslerbraten bearbeitete, lassen die Gäste das Besteck sinken, kauen schweigend zu Ende und lauschen ernst der Musik, die sie alle hierhergeführt hat.

 

 

 

 

Roy Peter singt und spielt in der Ausstellung im Deutschen Pferdemuseum

Multimedial: Beatles-Erlebnis für Ohren und Augen

 

Der Musiker Roy Peter gab unter den „Blicken“ John Lennons die Evergreens der Beatles zum Besten. Foto: Leeske

Verden - Für Beatlesfans ein ganz besonderes Erlebnis: Der Musiker Roy Peter trug die Musik der Fab Four im Deutschen Pferdemuseum live vor. Mitten in der derzeitigen Kabinettausstellung: „John Lennon in Verden“ gab es die bekanntesten Songs der berühmten Pilzköpfe aus Liverpool zu hören. Das beschwingte Publikum saß direkt neben den John-Lennon-Devotionalien, während es das musikalische Vermächtnis der Beatles erleben durfte.

In der Ausstellung sind auch Exponate zu dem dreitägigen Filmdreh von John Lennon in Verden, so dass der Musiker für die Zuhörer audiovisuell allgegenwärtig war. Genau vor 50 Jahren, 1966, spielte Lennon in dem Antikriegsfilm „Wie ich den Krieg gewann“ in der Allerstadt mit und hinterließ so auch in Verden seine Spuren.

Der Allroundmusiker Roy Peter aus Syke ließ diese Fußstapfen lebendig werden, indem er die Beatles-Schlager auf seine Weise interpretierte und das Publikum mit auf eine Reise in die Zeit der Beatles nahm. So gab es zum Beispiel „All my loving“, „Lady Madonna“ und „Back in the USSR“ zu hören. Sowie der Song „One after ninety nine“, als auch „Come Together“ wurden zum Besten gegeben, die beide eine Nummer bei dem legendären Dachkonzert (Rooftop Concert) 1969 in London waren.

Zum Höhepunkt der Beatlemania kam es dann, als Peter die Kompositionen „Stand by me“ und „Meet you“ erschallen ließ. Der bekennende Beatlesfan Roy Peter riss durch seine Vielseitigkeit und Bespielung diverser Instrumente, wie beispielsweise Kontrabass und Gitarre, die Gäste mit und sparte auch nicht mit Zugaben.

Anschließend konnten die Besucher noch in Ruhe die ausgestellten Artefakte bewundern und Fragen an den anwesenden Sammler Alfred Ebeling stellen, der die Ausstellung konzipiert hatte. So ergab sich für die Interessenten, von denen einige dem Beatlesstammtisch Verden angehörten, eine ganz reizvolle Form des aktiven Museumbesuchs.

Die John-Lennon-Ausstellung wird noch bis zum 16. Oktober gezeigt und ist Dienstag bis Sonntag von 10 bis 17 Uhr geöffnet. - lee